Brienzer wollen keinen "Schnellschuss"

Initiative zu 5G bei Gemeinde eingereicht!

 

Auch in Brienz strahlt schon 5G. Sunrise hat an der A8 am Hochspannungsmasten bereits Sender befestigt. Bestehende Antennen dürfen ohne Baugesuch aufgerüstet werden. Für neue Antennen, welche für die höheren Sendebereiche im Mikrowellenbereich dienen, müssen die Anbieter aber ein Baugesuch stellen. Bis jetzt sind in Brienz keine Baugesuche eingegangen. Swisscom hat aber bereits die reformierte und die katholische Kirche angefragt, um in den Kirchtürmen Antennen einzubauen. Beide haben aus dem Grund, die Bevölkerung schützen zu wollen, abgelehnt. Der Anbieter plant den Ausbau von 5G im Dorf Brienz auf Anfang 2020. 

Wie in vielen umliegenden Gemeinden zu beobachten ist, werden, trotz grossem Widerstand, geplante Antennen aufgebaut. Einsprachen gegen Baugesuche werden grundsätzlich abgelehnt. Der Regierungsstadthalter stützt sich dabei auf den Gesetzesschutz und das Einhalten der sogenannten Grenzwerte. So dürfen Antennen in Wohnzonen, direkt neben Kindergärten und Schulhäusern aufgeschaltet werden. 

 

Viele Menschen aus Brienz haben sich zu einer Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen, um das Wachstum von neuen Antennen kontrollierter anzugehen. Die IG mit dem Namen "5geh" hat am Freitag, 20. September 2019, eine Initiative bei der Gemeinde Brienz zur Prüfung eingereicht und fordert, dass an der Gemeindeversammlung vom 12. Dezember 2019 eine Abstimmung über das sogenannte Kaskadenmodell statt findet. Ein Kaskadenmodell wird ins Baureglement aufgenommen und legt die Prioritätenordnung für die Standorte von neuen Mobilfunkantennen fest. Es kann zum Beispiel festgelegt werden, dass Antennen zuerst in Industriegebiete gebaut werden sollen, dann in 2. Priorität in Arbeits- und Wohnzonen, und erst in den nötigsten Fällen in reinen Wohngebieten. Es können auch die Nähe von Schulhäusern, Altersheimen oder Spitälern ausgeschlossen werden.

Bis jetzt gibt es dafür keine Regelung. Für die Erarbeitung dieser Reihenfolge hat die Gemeinde drei Jahre Zeit. Der Ausbau von 5G wird durch die Annahme des Kaskadenmodells nicht ausgeschlossen. Ein "Schnellschuss" wird aber verhindert und es ist anzunehmen, dass in dieser Zeit mehr Studien über Langzeitwirkung von 5G gemacht werden und allenfalls Technologien, die gesundheitlich eindeutig unbedenklich sind, vorangetrieben werden. 

Der IG "5geh" ist es wichtig, die Brienzer Bevölkerung und im Besonderen die Kinder, vor einer unnötigen Zunahme der Strahlenbelastung zu schützen, solange deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit nicht geklärt sind.

Zeitlich ist das Initiativkomitee sehr knapp dran. "Wir sind auf korrekte Abläufe und das Einhalten der Fristen von Seiten der Gemeinde angewiesen", lässt die Sprecherin verlauten. Dass die Abstimmung am 12. Dezember statt finde sei äusserst wichtig, da das Kaskadenmodell rückwirkend bei bereits eingegangen Baugesuchen nicht angewendet werden könne. Welche Problematik dies auslöse, sei in umliegenden Gemeinden wie Hasliberg, Meiringen, Wilderswil oder Unterseen deutlich zu sehen, so die Sprecherin weiter. Auch der Gemeinderat befasst sich zur Zeit mit diesem Thema und zieht in Erwägung, selbst eine Planungszone zu erlassen. Falls dies eintrifft, kann die Initiative vom Initiativkomitee zurückgezogen werden.

 

Das Thema 5G wird in der ganzen Schweiz immer brisanter. Anbieter wie Swisscom, Salt und Sunrise rüsten in Rekordtempo auf und wollen, wie geplant, bis Ende dieses Jahres 90% der Schweizer Bevölkerung mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G versorgen.

Viele Menschen sind verunsichert durch diese rasante Entwicklung, welche unbestritten eine höhere Strahlenbelastung zur Folge hat. Langzeitstudien gibt es keine, doch viele unabhängige Wissenschaftler und Ärzte sprechen deutlich von massiven Gesundheitsschäden und einer Gefahr für Mensch, Tier und Pflanzen.